Der Mann ist in Europa kaum bekannt und doch rettete er mehr als 200'000 Menschen in China das Leben: John Rabe. Durch einen Film, der jetzt in den Kinos startet, wird nun der humanitäre Einsatz dieses "Oskar Schindler Chinas", so die New York Times, gewürdigt.
Um was geht es im Film?
1937: Seit fast 30 Jahren lebt der Deutsche John Rabe - toll gespielt vonUlrich Tukur - in Nanking, der damaligen chinesischen Hauptstadt. Er ist Leiter der Siemens-Niederlassung und stolz auf seine Arbeit. Nun soll er abgelöst werden und zurück ins Hauptquartier nach Berlin. Schweren Herzens bereitet er seine Abreise vor, doch dann wird Nanking von der japanischen Armee angegriffen, die in China eingedrungen ist.
John Rabe wird von den verbliebenen Ausländern zum Vorsitzenden eines Komitees gewählt, das in Nanking eine internationale Sicherheitszone einrichten soll.
Ein schwieriges Unterfangen, zumal Hunderttausende in die Zone wegen dem brutalen Vorgehen der japanischen Armee drängen. Diese Brutalität erleben John Rabe und das Komitee täglich hautnah mit. Immer wieder werden sie vor die furchtbare Situation gestellt, Menschen zu retten und dabei den Tod anderer Menschen nicht verhindern zu können.
Die Übergriffe der Japaner in die Sicherheitszone werden immer schlimmer und die Versorgung der hilflosen Menschen immer schwieriger. Dann planen die Japaner, unter einem Vorwand die Sicherheitszone zu stürmen...
Der Trailer zum Film John Rabe, zu finden auf YouTube:
Kritik
Im Mittelpunkt dieser wahren Geschichte steht John Rabe, ein ruhiger Mann, der leiten und organisieren konnte. Rabe hätte sich retten können, bevor die Japaner die Stadt einnahmen, doch er blieb.Er fühlte sich für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Menschen in der Stadt verantwortlich.
Ziemlich am Anfang des Films wird dies deutlich: Japanische Kampfflugzeuge bombardieren die Stadt und Rabe lässt die Scheinwerfer des Siemens-Werks einschalten und eine grosse Nazi-Fahne aufspannen, zum Zeichen, dass hier das Gelände eines Verbündeten Japans ist. Unter der Fahne kann er sein Personal und deren Angehörige verstecken und dadurch überleben die Menschen. Eine eindrückliche und zugleich surreale Szene.
Immer wieder betont Rabe gegenüber den Japanern, dass er Deutscher und Nationalsozialist sei und somit ein Verbündeter, um damit den Menschen in der Sicherheitszone zu helfen. Der Film klammert dabei die etwas naive Seite von John Rabe nicht aus. So war er Mitglied der NSDAP, ohne überhaupt zu wissen, was in Deutschland vor sich ging, da er ja seit vielen Jahren in China lebte. Er war zu Beginn überzeugt, dass Adolf Hitler die Gräueltaten der Japaner verurteilen würde und schrieb ihm deswegen sogar einen Brief; darauf bekam er natürlich keine Antwort.
Bewegend im Film ist auch Rabes inniges Verhältnis zu seiner Ehefrau Dora - gespielt von Dagmar Manzel -, die mit dem letzten Schiff Nanking verlässt, bevor die Japaner die Stadt einnehmen. Ohnmächtig muss Rabe mit ansehen, wie das Schiff vor dem Hafen von japanischen Kampffliegern angegriffen und versenkt wird. Ob seine Frau dabei überlebt hat? Die Antwort darauf erhält Rabe erst viel später...
Fazit
"John Rabe" ist ein sehenswerter und beeindruckender Film über Menschen, die in einer schwierigen Situation grossen Mut bewiesen und dadurch viele Leben retteten. Einige Szenen im Film sind wegen ihrer Brutalität nicht leicht anzusehen, aber sie sind notwendig, um diesen wahren Ereignissen gerecht zu werden. Denn mehr als 200.000 Menschen überlebten das Massaker in Nanking dank der Sicherheitszone, doch mindestens 300.000 Menschen wurden dabei getötet. Gemäss Abspann des Films weigert sich die japanische Regierung bis heute, das Ausmass dieses Massakers offiziell zu anerkennen.
John Rabe wurde nach seiner Rückkehr nach Deutschland übrigens von der Gestapo als Kollaborateur der Chinesen verhaftet. Man verbot ihm, über seine Erlebnisse in Nanking zu berichten. Tagebücher, worin er die Ereignisse aufgeschrieben hatte, wurden beschlagnahmt und tauchten erst 60 Jahre später wieder auf. Verarmt starb John Rabe 1950 in Berlin. Nur wenige nahmen an seiner Beerdigung teil.
Dem deutschen Regisseur Florian Gallenberger ist es gelungen, John Rabe mit seinem 130-minütigen Film ein Denkmal zu setzen und von einem düsteren Kapitel aus der Geschichte zu erzählen, das hier kaum bekannt ist. Zu Recht erhielt "John Rabe" und Hauptdarsteller Ulrich Tukur den Deutschen Filmpreis 2009. Schön ist, dass dieser Film nun auch in der Schweiz gezeigt wird, der im Frühling schon in Deutschland in den Kinos lief.
John Rabe, D/F/CN 2009, 130 Minuten, Verleih: Rialto Film AG, Kinostart: Ab 3. September 2009 im Kino