Waris Dirie schafft es vom Nomadenmädchen in Afrika zum internationalen Top-Model. Doch sie hütet ein Geheimnis, bis sie damit an die Öffentlichkeit tritt. Davon erzählt der Film "Desert Flower", der momentan im Kino läuft.
Waris, ihr Name bedeutet Desert Flower, zu deutsch Wüstenblume - so der gleichnamige Film -, ist das Kind von Nomaden im Somalia. Sie beaufsichtigt Ziegen und als sie 13 Jahre alt ist, eröffnet ihr der Vater, dass sie einen ältern Mann, der schon drei Frauen hat, heiraten muss.

Doch
Waris flieht vor der bevor- stehenden Zwangsheirat und erreicht einen Lastwagen, der in die somalische Hauptstadt Mogadischu fährt. Im Fahrzeug kann sie nur knapp einer Vergewaltigung durch einen Mann entgehen, indem sie verzweifelt mit einem Stein auf dessen Kopf schlägt.
Ihre Grossmutter in Mogadischu kann ihr eine Stelle als Dienstmädchen in der somalischen Botschaft in London verschaffen. Sie arbeitet einige Jahre ohne Ausbildung und Sprachkenntnisse in der Botschaft, die sie nie verlassen darf. Als sie nach Somalia zurückkehren soll,
flieht sie und taucht in London unter.

Waris - als Erwachsene gespielt von Liya Kebede -, zurückhaltend und unsicher,
findet durch die quirlige Verkäuferin Marilyn - gespielt von Sally Hawkins - eine Freundin, die ihr hilft. Sie verschafft ihr eine Unterkunft und eine Stelle in einem Fast Food-Lokal, wo sie als Reinigungskraft arbeitet.
Unterdessen zu einer sehr schönen Frau herangewachsen, wird Waris zufällig dort durch den Starfotografen Terry Donaldson - gespielt von Timothy Spall - entdeckt.

Sie wird nach einigen Hindernissen, gefördert durch Donaldson und betreut durch die ehrgeizige Agentin Lucinda - gepspielt von Juliet Stevenson -,
zu einem gut bezahlten Top-Model und läuft in Designerkleidern auf den grossen Laufstegen der Welt.
Doch hinter dem märchenhaften Aufstieg vom Nomadenmädchen zum gefragten Model
verbirgt sich ein Geheimnis, das Waris immer belastet und nur ihre Freundin Marilyn kennt. Eines Tages offenbart sie es einer Journalistin in einem Interview und tritt damit als erste betroffene Frau an die grosse Öffentlichkeit:
Waris wurde als dreijähriges Kind beschnitten. Durch ihr Bekenntnis wird sie zur Vorkämpferin gegen diese grausame Praxis.
Bei einer Beschneidung
werden Frauen und Mädchen die weiblichen Genitalen teilweise oder ganz entfernt, was meist starke Schmerzen verursacht und schwere körperliche und seelische Schäden nach sich ziehen kann. Eine solche Beschneidung erfolgt aus unterschiedlichen Gründen, beispielsweise aus Tradition.
So werden in bestimmten Kulturen Frauen und Mädchen, die nicht beschnitten sind, sozial ausgegrenzt und finden keinen Ehemann.
Obwohl die Beschneidung in vielen Staaten unterdessen unter Strafe steht, wird sie immer noch auf der ganzen Welt, auch in Europa, praktiziert. Laut dem Film werden täglich 6'000 Mädchen beschnitten.
Fazit: „Desert Flower“, basierend auf der erfolgreichen Autobiographie von Waris Dirie, ist ein wichtiger und sehenswerter Film, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen.
Die Beschneidung von Waris als Dreijährige wird fast am Schluss des Films nicht direkt gezeigt, was man auch nicht darf und kann.
Doch die Schreie und das schmerzverzerrte Gesicht des Kindes während dieses Moments, das auf der Leinwand gezeigt wird, sind ein deutliches Zeugnis und eine Anklage gegen diese grausame Praxis.
Desert Flower, Deutscher Titel: Wüstenblume, D/AU/F, 120 Minuten, Verleih: Rialto Film AG, seit 8. Oktober 2009 im Kino
Fotos: Rialto Film AG