: Ölpest, Vulkanausbrüche, Erdbeben, Schweinegrippe und Finanzkrisen – die Menschen leben heute in einer fragilen Welt. Und glaubt man gewissen Klimaexperten, dann droht ihnen bald der ganz grosse Kollaps.
Wie gehen Zeitgenossen mit Naturkatastrophen und apokalyptischen Szenarien um? Welche Überlebensstrategien entwickeln sie angesichts existenzieller Bedrohung?
François Walter untersucht in seiner «Kulturgeschichte der Katastrophen», wie Menschen zu verschiedenen Zeiten Schicksalsschläge zu erklären und in ihr Weltbild einzuordnen versuchten.
Welche Entwicklungen sind vom 16. Jahrhundert bis heute sichtbar? Wie gehen die Betroffenen aktuell mit Bedrohungssituationen um? Und sind die Menschen bis heute für die Bewältigung von Katastrophen auf Religion und Spiritualität angewiesen? Diese Fragen stellt Judith Hardegger dem Genfer Historiker.
«Sternstunde Religion»: Kick the Lion – Fussball und Magie in Afrika
Sonntag, 27. Juni 2010, 10.30 Uhr, SF 1
Fussballzauber – ein geläufiges Wort für afrikanisches Fussballspiel, geprägt von Begeisterung, Fantasie, Talent. Doch der «Zauber» hat noch eine weitere Bedeutung: Der Glaube an die Wirksamkeit von Hexerei und Magie für erfolgreichen Fussball ist südlich der Sahara weit verbreitet.
«Witchdoctors» geben den Spielern spirituellen Beistand: In geheimnisvollen Ritualen kommen Hühnerblut für Fussballerbeine, abgeschnittene Affenhände für Torhüter, Löwenfett, Eierschalen und Kräutermischungen zur Anwendung. Dabei geht es immer um eines: um den Sieg im Spiel.
Diese Praktiken sind in Ländern wie Tansania, Uganda, Ghana und Südafrika weit verbreitet. Vieles findet im Verborgenen statt, denn die Methoden sind auch in der afrikanischen Fussballwelt sehr umstritten.
Oliver Becker, Dokumentarfilmer und Afrikaforscher, hat seine aufwendige Spurensuche bei grossen und kleinen afrikanischen Fussballklubs im Film «Kick the Lion» dokumentiert. «Sternstunde Religion» zeigt eine Kurzfassung des Films.
Sternstunde Philosophie»: Denken fürs Leben – Philosophische Praxis
Sonntag, 27. Juni 2010, 11.00 Uhr, SF 1
«Sie möchten sich ins eigene Leben verlieben?» Mit dieser Frage wirbt die Philosophin Martina Bernasconi für ihre philosophische Praxis in Basel. «Philosophische Praxis ist Nachdenken, Welt- und Selbstbesinnung in Dialogform», sagt Roland Neyerlin, Philosoph mit eigener Praxis in Luzern.
Was aber passiert in einer philosophischen Praxis konkret? Und kann man von einer Denkpraxis leben? Was unterscheidet eine philosophische von einer psychologischen Beratung?
In der «Sternstunde Philosophie» erzählen Martina Bernasconi und Roland Neyerlin von ihren vielfältigen Erfahrungen in ihren philosophischen Praxen und der Bedeutung der Philosophie für den Alltag der Menschen.
«Sternstunde Kunst»: Irans grüner Sommer
Sonntag, 27. Juni 2010, 12.00 Uhr, SF 1
Vor einem Jahr, im Juni 2009, wurde die berechtigte Hoffnung der Bevölkerung auf einen Regierungswechsel im Iran durch den angeblichen Sieg Mahmud Ahmadinedschads jäh zerstört. Der breite Bürgerprotest, der alle Alters- und Bevölkerungsgruppen erfasste, wurde mit beispielloser Gewalt niedergeschmettert.
In trauriger Erinnerung geblieben ist Neda Agha-Soltan, die kein Einzelfall war. Die junge Frau wurde während der Proteste erschossen. Ein Video, das ihr Sterben zeigt, verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer. Die Brutalität des Staats richtete sich gerade auch gegen hoffnungsfrohe Jugendliche.
Namenlos bleiben Hunderte junge Menschen, die wegen ihrer Teilnahme an den friedlichen Protesten verhaftet und gefoltert wurden. Was bewegte so viele Iranerinnen und Iraner, sich trotz der massiven Gefahren im friedlichen Protest des «grünen Sommers» – grün war die Kampagnen-Farbe von Oppositionsführer Mussawi – zu engagieren? Was motivierte vor allem die heutige Jugend, die in der islamischen Republik aufgewachsen ist, zum mutigen Aufstand?
Der deutsch-iranische Regisseur Ali Samadi Ahadi («Lost Children», ausgezeichnet mit dem Deutschen Filmpreis 2006) konzentriert sich in seinem neuen Dokumentarfilm – neben Interviews mit diversen Exil-Iranern, unter anderen der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi – auf junge Menschen.
Da eine Abbildung von realen Personen verboten und für sie gefährlich ist, werden die mutigen Bürgerproteste auf ungewöhnliche Art dokumentiert: Auf der Basis tatsächlich existierender Blog-, Facebook-, Youtube- und Twitter-Beiträge erzählen zwei fiktive, animierte Figuren ihre Version des «grünen Sommers». Eine Koproduktion der «Sternstunde Kunst» des Schweizer Fernsehens.
Bild: Copyright SF