
(SF) Am
Donnerstag, 8. Juli 2010, 21.05 Uhr, SF 1:
Trägheit. Im Mittelalter eine Todsünde. Doch noch heute fordert sie Opfer. Wie den sechsjährigen Süleyman, der im Dezember 2005 im zürcherischen Oberglatt von drei Pitbulls getötet wurde, weil der Hundehalter M.C. nicht aufgepasst hatte. Ein bewegender Film über den Fall, der in der Schweiz eine riesige Welle von Mitgefühl
für den kleinen Süleyman und dessen Angehörige, aber auch Wut gegenüber Kampfhunden und deren Haltern auslöste.
Am Tag vor dem verheerenden Unglück hatte der in der Schweiz aufgewachsene Italiener M.C. seine jungen Pitbulls von Italien in die Schweiz gebracht, um sie zu verkaufen.
Für die Nacht kam der 41-Jährige mit seinen Hunden bei einem flüchtigen Bekannten in Oberglatt unter. Am anderen Morgen hatten die Hunde die Wohnung total verdreckt. Weil die Tiere beim Putzen im Weg waren, verfrachteten M.C. und sein Bekannter die Pitbulls in einen auf dem Vorplatz notdürftig zusammengebauten Verschlag.
Daraus entwischten die unbeaufsichtigten Hunde, die weder an Menschen noch an Umwelteinflüsse gewöhnt waren.
«Dass man durch Inaktivität anderen zur Last fällt, Dinge nicht berücksichtigt und so andere schädigt, steckt im Kern hinter der Todsünde der Trägheit», erklärt Strafrechtsprofessor Christian Schwarzenegger im Film von Fiona Strebel.
M.C. war sich nicht bewusst, dass seine Unachtsamkeit in Bezug auf seine Kampfhunde verheerende Folgen haben könnte. Sein verantwortungsloses Verhalten habe dazu geführt, dass der kleine Süleyman sterben musste, so die damals für den Fall zuständige Staatsanwältin Susanne Steinhauser. Für sein Verfehlen wurde M.C. wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.
Als Folge der Pitbull-Attacke von Oberglatt stimmten die Zürcherinnen und Zürcher im November 2008 für ein Verbot von Kampfhunden. Das Gesetz ist seit Januar 2010 in Kraft.
Neben Christian Schwarzenegger und Susanne Steinhauser äussern sich im Film eine Bekannte des getöteten Buben, die Hundetrainerin und Kampfhunde-Expertin Myriam Falk, die Zürcher Kantonstierärztin Regula Vogel sowie Francesca van Capelle und ihre zwölfjährige Tochter Léonie: Die beiden wollten den sechsjährigen Süleyman vor den Pitbulls retten – leider erfolglos.
Ebenfalls zu Wort kommt der fehlbare Hundehalter M.C. Er wurde nach Verbüssung seiner Strafe im Sommer 2007 des Landes verwiesen und mit einem fünfjährigen Einreiseverbot belegt. Er ist noch heute der Ansicht, dass alles ein tragischer Unfall war und ihm Unrecht widerfahren ist.
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