: Dass Scientology mit fragwürdigen Methoden operiert, ist heute allgemein bekannt. Bisher konnte jedoch kein Gericht der Welt den gewieften Seelenfängern das Handwerk legen. Nun packen hochrangige Exmitglieder aus und berichten über die Zustände im Machtzentrum der Pseudokirche. Sie schufteten wie Sklaven, wurden zu Abtreibungen gezwungen und mit Arbeitslager bestraft, wenn sie nicht parierten. Und kaum sind sie den Fängen der Organisation entkommen, geht der Horror weiter. Weil sie sich an die Öffentlichkeit wagten, werden sie verfolgt und bedroht. Im Film von Quentin McDermott geben die mutigen Aussteiger erstmals Einblick in die Schaltzentrale der Organisation.
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Wir respektieren den Menschen und glauben, dass er Hilfe verdient.»
Dieses Zitat des Scientology-Gründers Ron Hubbard empfängt einen auf der Webseite der Scientology Kirche Zürich. Aber die Organisation ist geldgierig und nutzt ihre Mitglieder skrupellos aus. Deswegen muss sie sich auch immer öfter vor Gericht verantworten. Doch trotz zahlreicher Prozesse gelang es bisher nicht, sie juristisch zur Verantwortung zu ziehen.
Nun packen erstmals frühere Mitglieder der Elitetruppe Sea Org aus, die im Hintergrund die Fäden der Scientology zieht. Ron Hubbard gründete sie, als er 1967 mit einigen ergebenen Scientologen in See stach, um dem Gesetz zu entkommen und in Ruhe seine weltweite Organisation zu führen.
Hana Eltringham Whitefield wurde als eine der Ersten in die Sea Org berufen und musste sich für eine Milliarde Jahre verpflichten. Sie erinnert sich an Hubbards Wutausbrüche und seine drakonischen Strafen: «
Wer einen Fehler machte, wurde an Händen und Füssen gefesselt und mit verbundenen Augen über Bord geworfen. Auch 55-jährige Frauen.»
Die über Bord Geworfenen wurden gerettet, und die Sea Org ging 1985 wieder an Land. Aber die Arbeitszeiten und Bestrafungen blieben unmenschlich.
Das erlebte auch der ehemalige australische Rugby-Spieler Joe Reaiche. Mit 19 trat er Scientology bei, erlangte mit 23 die höchste Stufe und kam zur Sea Org. Für 20 US-Dollar pro Woche arbeitete er rund um die Uhr, nachdem er für die gesamte Ausbildung rund
250'000 US-Dollar hingeblättert hatte. Als er sich zunehmend kritisch äusserte, wurde er aus der Kirche ausgeschlossen und darf seither keinen Kontakt mehr zu seinen Kindern haben.
Claire Headley war nicht einmal erlaubt, Kinder zu bekommen. Sie kam mit 16 in die Sea Org, heiratete mit 17, war mit 19 schwanger und wurde unter massiven Drohungen zur Abtreibung gedrängt. Einen Tag nach der Abtreibung schuftete sie wieder im Scientology-Zentrum. Zwei Jahre später musste sie erneut abtreiben. Hätte sie sich geweigert, wäre sie von ihrem Mann getrennt und schwer bestraft worden.
Scientology-Sprecher Tommy Davis streitet alles ab und stellt die Glaubwürdigkeit der hochrangigen Exmitglieder in Frage. Doch die Tatsache, dass die Abtrünnigen beschattet und bedroht werden und die für ihre Prozesswut bekannte Organisation ihre wichtigsten
Anwälte aufbietet, zeigt, wie nervös Scientology ist. Experten sehen denn auch das Gleichgewicht der Pseudokirche schwer gestört und sagen: «
Der Konzern wankt. Aber je mehr Mitglieder die Sekte verliert, desto gefährlicher wird sie.»
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