: Danielle hat einen Zwang: Immer wieder steht die gelernte Primarlehrerin und angehende Ernährungsberaterin vor den Spiegel, um zu kontrollieren, ob sie zugenommen hat. Die 176 cm grosse Frau ist zwar spindeldürr und stark untergewichtig, empfindet sich selber aber als unförmig und dick. Die 28-Jährige hat wenig Selbstbewusstsein und bezeichnet sich als scheu und langweilig. Das Einzige, wofür sie wiederholt Komplimente bekam: Sie sei gross und schlank. Das war der Auslöser ihrer Essstörung.
Ähnlich erging es Sarah.
Die Pflegeassistentin war früher übergewichtig und erntete dafür viel Kritik. Daraufhin ass sie nur noch Gemüse und nahm ab, bis sie noch 25 Kilogramm wog. Sarah entging nur dank Zwangsernährung dem Tod. Sterben durch Abnehmen wollte auch Nicole, die seit ihrer Kindheit an Depressionen leidet. «
Wenn ich nichts mehr esse, nehme ich ab und verschwinde langsam», sagt sie.
Jede zehnte Frau in der Schweiz leidet an einer Essstörung. Betroffen sind vor allem jüngere Frauen im Alter zwischen 15 und 35 Jahren. Männer indes seien von Essstörungen kaum betroffen, sagt Martina Scheibel, die Leiterin der Klinik Wysshölzli im bernischen Herzogenbuchsee. Die Fachklinik für Frauen mit Abhängigkeitserkrankungen und Essstörungen ist für die Patientinnen oft die letzte Chance, sich von ihrer Krankheit zu befreien.
Reporter Hanspeter Bäni beobachtete im Wysshölzli den Alltag mit der Kamera – einen Alltag, der von strengen Regeln geprägt ist: Wer gegen die Hausordnung verstösst, riskiert den Ausschluss aus der Klinik.
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